Handchirugie im Überlick

Hier stellen wir einige der handchirurgischen Erkrankungen, die in unserer Praxis behandelt werden vor. Dies soll eine, für den medizinischen Laien verständliche Form sein und keine wissenschaftliche Abhandlung. Die Hand besteht aus Nerven, Sehnen, Knochen, Bindegewebe und Muskeln.

1. Erkrankungen der Nerven

1.1 Nervenengpasssyndrome
Der Arm und die Hand werden im wesentlichen durch drei Hauptnerven innerviert: Nervus medianus, Nervus ulnaris und Nervus radialis. Jeder dieser drei großen Nerven kann an vorgegebenen Engstellen im Bereich des Unterarmes Kompressionssyndrome entwickeln. Je nachdem welcher Teil der Nerven betroffen ist, stehen entweder Lähmungen, Schmerzen und/oder Missempfindungen im Vordergrund. Es sollte daher, bei unklaren Beschwerden im Bereich des Unterarms und der Hand, auch an die Möglichkeit eines Nervenkompressionssyndroms gedacht werden. Durch eine differenzierte Untersuchung sollte auch eine Abrenzung zu Störungen der Halswirbelsäule durchgeführt werden und ergänzende elektrophysiologische Abklärung sollten die Diagnose sichern. Therapieversuche mit Ruhigstellung und Kortikoidinjektionen sind zwar gerechtfertigt aber bei anhaltenden Beschwerden sollte die Indikation zur Operation frühzeitig gestellt werden, da ansonsten die Gefahr bleibenden Nervenschäden besteht.

1.2 Nervenverletzungen und Nervenrekonstruktion
Bei Verletzungen an Händen oder Armen kommt es durch die Schädigung von Nerven häufig zu Lähmungen und Gefühlsstörungen im betroffenen Gebiet. Nicht immer müssen dabei scharfe Verletzungen die Ursache sein, auch Druckschäden sind möglich. Nervenverletzungen und Nervenrekonstruktion       Motorische Ersatzplastiken (motorische Ersatzoperationen)

1.3 Nerventumoren
Bei den Nerventumoren handelt es sich vorwiegend um gutartige Tumoren, die aber durch die Beteiligung der Nerven zu Funktionsausfällen und Schmerzen führen können. Auch nach notwendige Operationen können Reststörungen durch die Entfernung des Tumors verbleiben. Auch nach Verletzungen (z.B. Amputationen) kann es zu schmerzhaft wachsenden Nervenendigungen kommen.

2. Erkrankungen der Sehnen und Sehnenscheiden

Eine Entzündung der Sehnenscheiden kommt am häufigsten an der Hand und am Handgelenk vor. Man unterscheidet hierbei die akute und die chronische Form der Sehnenscheidenentzündung. 

2.1 Sehneneinklemmsyndrome
Bei chronischen Beschwerden durch eine Sehnenscheidenentzündung hilft meist nur noch eine Operation. Häufige Folge von chronischen Sehnenscheidenentzündungen sind Sehneneinklemmsyndrome, die je nach ihrer Lokalisation im Körper unterschiedlich benannt werden. Die häufigsten Sehneneinklemmsyndrome sind:

  • Tendovaginitis de Quervain
  • Schnappfinger-Syndrom

Eine Entzündung der Sehnenscheiden kommt am häufigsten an der Hand und am Handgelenk vor. Man unterscheidet hierbei die akute und die chronische Form der Sehnenscheidenentzündung.
• Sehnenscheidenentzündung

2.3 Sehnenansatzbeschwerden – Tendopathien
Die Muskeln sind durch Sehnen am Knochen fixiert, bei übermäßiger, einseitiger Beanspruchung der betreffenden Extremitäten, können eine schmerzhafte Umbauung von Nerven oder ein unangenehmes Reiben bei Bewegungen resultieren. Die häufigsten Sehnenansatzbeschwerden sind:

  • Tennisarm (Epicondylitis radialis)
  • Golferellenbogen (Epicondylitis ulnaris)

2.4 Sehnenverletzungen der Hände
Die Sehnen liegen im Bereich der Finger nahe unter der Haut, so dass sie bei Schnittverletzungen häufig durchtrennt werden. Strecksehnenabrisse können aber auch durch eigentlich harmlose Verletzungen geschehen wie das zum Beispiel beim einspannen von Betttüchern. Besonders bei diesen „harmlosen“ gedeckten Verletzungen können sich unbehandelt, unangenehme Spätfolgen entwickeln

  • Verletzungen der Strecksehnen
  • Verletzungen der Beugesehnen
  • Schwanenhalsdeformität
  • Knopflochdeformität

2.5 Sehnentumoren

Zu den Sehnentumoren gehören de gutartigen Schwellungen der Sehengleitgewebe ebenso wie die bösartigen Tumoren der Sehengleitgewebe. Jeder entfernte Tumor wird von uns einer feingeweblichen Untersuchung zugeleitet. Eine eventuelle Weiterbehandlung sollte immer unter der Maßgabe des größtmöglichen Erhaltes der Benutzbarkeit der Hand zu sehen sein.

3. Erkrankungen des Bindegewebes

Das Bindegewebe ist die Schicht die zwischen den anderen Geweben liegt und diese wie der Name sagt zusammenhält

3.1 Dupuytren-Kontraktur
Die Dupuytren’sche Kontraktur ist eine Erkrankung des Unterhautbindegewebes, bei dem die auf der Handinnenseite befindliche Gewebsschicht, die sogenannte Palmaraponeurose, sich krankhaft verändert und so zu einer Verkrümmung der Finger führt. Da diese Erkrankung zu Rezidiven neigt, sollte eine Operation sorgfältig erwogen werden
Dupuytren-Kontraktur

3.2 Ganglion
Ein Ganglion ist eine mit Flüssigkeit gefüllte Geschwulst an der Hand, die eine Größe von einigen Zentimetern erreichen kann, Ursache kann eine Schwäche der Kapsel sein. Diese hrmlose Veränderung wird entfern, wenn sie Beschwerden macht.

3.3 Bindegewebstumoren
Hierbei handelt es sich vorwiegend um so genannte gutartige Riesenzelltumoren, die aber zu Rezidiven neigen. Jeder entfernte Tumor wird von uns einer feingeweblichen Untersuchung zugeleitet.

4. Erkrankungen der Bänder

4.1 Skidaumen
Der sog. „Skidaumen“ bezeichnet eine häufige Bandverletzung des Daumens. Ursache ist das gewaltsame Abspreizen des Daumens zum Beispiel durch den Skistock, reißt ein Band. Diese Verletzung sollte operativ behandelt werden, da sonst eine verminderte Belastungsfähigkeit droht.

4.2 Karpale Bandverletzungen
Verletzungen der Bänder an der Hand, welche falls nicht erkannt und behandelt Störungen verursachen, die über eine dauerhafte Fehlbelastung zu einem Verschleiß der Gelenkflächen führen können.

5. Erkrankungen der Knochen und Gelenke

5.1 Kahnbein
Aufgrund der großen Beweglichkeit ist das Kahnbein der Handwurzelknochen, der am häufigsten bricht. Wird ein solcher Bruch übersehen und nicht adäquat behandelt, können schwerwiegende chronische Probleme die Folge sein.

5.2 Brüche an der Hand (Frakturen)
Brüche an der Hand fallen durch Schwellung und schmerzhaften Funktionsverlust auf, werden aber auch nicht selten erst verspätet festgestellt (z.B. bei Schlagverletzungen). In der Regel bedürfen verschobene Verletzungen der operativen Behandlung, aber in den letzten Jahren wurde auch Verfahren ohne operative Behandlung (konservative Verfahren) entwickelt.

5.3 Arthrose der Finger- und Handgelenke
Unter einer Arthrose wird ganz allgemein ein Verschleiß eines Gelenkes verstanden. Die Gründe für die Zerstörung von Gelenken können sehr unterschiedlich sein, anlagebedingt, Unfälle, rheumatische Erkrankungen, Gicht u.ä.. Dabei sind bei den verschiedenen zu einer Arthrose führenden Erkrankungen unterschiedliche Gelenke betroffen.

5.4 Mondbeinnekrose
Bei der Mondbeinnkrose kommt es zu einer Zerstörung des Mondbeins (einer der Handurzelknochen) aufgrund einer Durchblutungsstörung im Knochen. Die Ursache ist noch unbekannt.

5.5 Tumore der Knochen
Bei den Knochentumoren handelt es sich vorwiegend um so genannte Enchondrome, gutartige Tumoren die aber verdrängend wachsen und daher entfernt werden sollten. Bei den sehr seltenen bösartigen Knochentumoren finden wir meist Metastasen (Tochtertumoren) anderer Tumoren an. Jeder entfernte Tumor wird von uns einer feingeweblichen Untersuchung zugeleitet.

6. Rheumatoide Arthritis

Beim Rheuma kommt es zu einer Entzündung und Zerstörung u.a. von Gelenken, meist an mehreren Lokalisationen. Die meisten Ausprägungen können heute medikamentös behandelt werden, so dass der operative Eingriff eher die Ausnahme darstellt.

7. Infektionen der Hand

An der Hand werden Infektionen oftmals durch eher unscheinbar wirkende Verletzungen ausgelöst, ein Erstsymptom ist neben der Rötung, der klopfende, pulssynchrone Schmerz in Ruhe mit Bewegungsstörung. Eine Infektion der Hand sollte immer als absoluter Notfall angesehen werden.

8. Angeborene Handfehlbildungen

Fehlbildungen oder Missbildungen der Hände und/oder Füße können, die unterschiedlichste Ausmaße annehmen, alle gehören in die Hand von Spezialisten, wobei komplexe Störungen auch von uns Handchirurgen in spezialisierte Abteilungen überwiesen werden.